Was ist ein Cortado?


Nicht zu stark, nicht zu milchig – der Cortado ist genau die richtige Mischung aus Espresso und Milch.


Veröffentlicht am Aktualisiert am von Jennifer Ryan

Eine Hand gießt aufgeschäumte Milch in eine Tasse Cortado und kreiert so ein Latte-Art-Design.

In der Welt des Kaffees, wo Lattes und Cappuccinos oft im Rampenlicht stehen, Cortado ist ein ruhigerer Klassiker, der international Anerkennung findet. Ein Cortado ist im Wesentlichen ein Espresso „geschnitten“ mit einer kleinen Menge warmer Milch Tatsächlich stammt der Name vom spanischen Verb Kortar, was „schneiden“ bedeutet. Die Idee ist einfach: Die Intensität und Säure des Espressos werden durch die Zugabe von Milch gemildert, wodurch ein ausgewogenes, mildes Kaffeegetränk entsteht. Ein Cortado wird typischerweise in einem kleinen Glas serviert und besteht in der Regel zu etwa gleichen Teilen aus Espresso und Milch, wobei die genauen Proportionen je nach Region oder persönlichem Geschmack leicht variieren können (oft liegt das Verhältnis irgendwo zwischen 1:1 und 1:2 Kaffee zu Milch).

Eine Nahaufnahme eines Cortado-Kaffees mit einer herzförmigen Latte Art obendrauf.

Was unterscheidet einen Cortado von anderen Kaffeesorten?

Anders als ein schaumiger Cappuccino oder ein großer Latte Macchiato mit viel Milch hat ein Cortado wenig bis gar keinen Schaum und wird nicht mit viel Milch verdünnt – er ist stärker als ein Flat White, aber cremiger als ein einfacher Espresso. Das Ergebnis ist ein kurzer, kräftiger Kaffee mit samtiger Textur, perfekt für alle, die etwas zwischen schwarzem Kaffee und einem Milchgetränk suchen. In Spanien und vielen lateinamerikanischen Ländern ist der Café Cortado ein alltäglicher Genuss, die Art von Kaffee, die man gerne am Vormittag oder Nachmittag für einen schnellen Koffeinkick ohne die Menge einer großen Tasse Kaffee trinkt.

Die Ursprünge des Cortado: Von Spanien in die Welt

Der Cortado stammt aus der iberischen Kaffeetradition, insbesondere in Spanien und Portugal. Espressomaschinen erfreuten sich Mitte des 20. Jahrhunderts in spanischen Cafés großer Beliebtheit und brachten eine Vielzahl von Espressogetränken mit sich. Der Begriff Cortado Im Kaffeekontext etablierte sich der Begriff zuerst in Spanien – er beschrieb einfach Espresso, der mit etwas Milch “verdünnt” wurde, und das Konzept entstand wahrscheinlich ganz natürlich, da Gäste, denen purer Espresso zu stark war, nach etwas Milch fragten, um ihn abzumildern. Bald darauf bestellte man einen Espresso mit Milch. Cortado wurde so alltäglich wie die Bestellung eines Café Solo (ein einfacher Espresso) in spanischen Cafés.

Die spanische Kultur des entspannten Verweilens in Cafés und der geselligen Kaffeepausen bot dem Cortado eine ideale Heimat. Er verbreitete sich ins benachbarte Portugal (wo ein ähnlicher kleiner Kaffee mit Milch als Cortado bezeichnet werden könnte). Garoto oder pingado) und nach Lateinamerika. In Kuba beispielsweise gibt es ein Getränk namens Cortadito Der Cortadito erfreute sich großer Beliebtheit – im Grunde ein Cortado, oft mit einer süßen Note (durch Kondensmilch oder gezuckerte Kondensmilch) und meist vorgesüßtem Espresso. Kubanische Einwanderer brachten den Cortadito nach Miami, wo er heute ein fester Bestandteil der kubanisch-amerikanischen Community ist und oft in kleinen Styroporbechern in den Straßencafés von Little Havana genossen wird.

Viele Jahre lang blieb der Cortado außerhalb spanischsprachiger Gemeinschaften relativ unbekannt. Er war auf den Speisekarten großer internationaler Kaffeeketten kaum zu finden. Doch mit dem Aufkommen der Spezialitätenkaffee-Bewegung in den 2000er- und 2010er-Jahren suchten Baristas und Kaffeeliebhaber nach Inspiration in europäischen und internationalen Kaffeetraditionen jenseits der klassischen italienischen Angebote. Der Cortado tauchte in unabhängigen Cafés auf und wurde oft als Genuss für Kenner gepriesen, der den Espresso-Geschmack mit einem Hauch Milch für die perfekte Balance hervorhebt. Ein interessantes Kapitel seiner modernen Popularität spielte sich in San Francisco ab: Die lokale Kaffeefirma Blue Bottle bot ein cortadoähnliches Getränk namens “Gibraltar” an (benannt nach dem Glas, in dem es serviert wurde). Der Gibraltar stand zwar nicht auf der offiziellen Speisekarte, entwickelte sich aber zu einem Kultgetränk und trug dazu bei, die Idee eines kleinen, ausgewogenen Kaffee-Milch-Getränks in den USA zu popularisieren.

Was gehört in einen Cortado?

Ein klassischer Cortado besteht aus nur zwei Komponenten: Espresso und MilchDer Schlüssel liegt jedoch in der Qualität und Behandlung dieser Komponenten:

  • Espresso: Ein Cortado beginnt mit einem frisch zubereiteten Espresso (oder einem doppelten Espresso). Man kann jede beliebige Röstung verwenden, in Spanien wird jedoch häufig eine mittel-dunkle Röstung für ein kräftiges Aroma bevorzugt. Der Espresso sollte gut extrahiert sein, um sein volles Aroma ohne übermäßige Bitterkeit zu entfalten, denn in einem Cortado ist nicht viel Milch vorhanden, um einen schlechten Espresso zu überdecken.
  • Milch: Die Milch in einem Cortado wird gedämpft, aber nur leicht. Sie wird auf eine angenehme Temperatur (oft um die 60–65 °C) erwärmt, die heiß genug ist, um den natürlichen Geschmack der Milch hervorzuheben, aber nicht so heiß, dass man sich verbrüht. Entscheidend ist, dass die Milch … nicht stark aufgeschäumt Wie bei einem Cappuccino. Möglicherweise bildet sich oben eine dünne Schicht Mikroschaum, aber insgesamt bleibt die Milch flüssig und geschmeidig eingearbeitet. Traditionell wird Vollmilch verwendet, die für die cremigste Konsistenz sorgt. Baristas können jedoch auf Vorlieben oder Ernährungsbedürfnisse eingehen (manche Cafés bieten beispielsweise Cortados mit Hafer- oder Mandelmilch an).

Ein Cortado hat üblicherweise ein Volumen von etwa 120 bis 180 ml. Ein doppelter Espresso entspricht etwa 60 ml, dazu kommt die gleiche Menge oder etwas mehr aufgeschäumte Milch. Aufgrund des geringen Volumens ist er ein Getränk, das man relativ schnell genießt und nicht lange trinkt – obwohl man ihn natürlich auch langsam nippen und genießen kann.

Ein traditioneller Cortado enthält keine künstlichen Aromen oder Sirupe; er besteht ausschließlich aus Kaffee und Milch. Natürlich kann man ihn nach Belieben verfeinern (etwas Zucker oder sogar aromatisierter Sirup sind nicht ungewöhnlich, aber das ist eher eine Frage des persönlichen Geschmacks als der Tradition).

Ein Cortado-Kaffee mit herzförmigem Latte-Art-Design in einer Glastasse.

So machen Sie einen Cortado wie ein Profi

Die Zubereitung eines Cortado ist für jeden Barista, der an einer Espressomaschine ausgebildet wurde, ein Kinderspiel:

  1. Den Espresso ziehen: Brühen Sie einen frischen Espresso (für mehr Stärke meist einen doppelten Schuss) in ein kleines Glas oder eine Tasse. Ideal ist eine konzentrierte, aromatische Espressobasis.
  2. Milch dämpfen: Erhitzen Sie die Milch mithilfe der Dampfdüse, bis sie seidig ist und einen leichten, samtigen Mikroschaum bildet. Ziel ist es nicht, deutlich abgegrenzte Schaumschichten oder festen Schaum zu erzeugen, sondern eine gleichmäßige, cremige Milch. Die Milchmenge ist gering – gerade so viel, dass sie der Menge des Espressos entspricht oder diese leicht übersteigt.
  3. Kombinieren: Gießen Sie die aufgeschäumte Milch in den Espresso. Dies geschieht oft langsam, und aufgrund der kleinen Größe ist Latte Art möglich, allerdings im Miniaturformat (manche Baristas ritzen ein kleines Herz oder Muster in einen Cortado). Milch und Espresso sollten sich harmonisch vermischen, mit einer hellbraunen Crema/Mikroschaumschicht darüber.

Was das Servieren betrifft, wird ein Cortado traditionell in einem kleines Glas. In Spanien wird Cortado entweder in einem einfachen Whiskyglas oder in einem speziellen Cortado-Glas serviert. Manche Cafés verwenden ein kleines Glas in einem Metallhalter mit Henkel (besonders in traditionellen spanischen Cafeterias). Die Blue Bottle-Variante “Gibraltar” machte das Servieren im 130-ml-Glas von Libbey Gibraltar populär, das in den USA zu einem Markenzeichen der Marke wurde. Falls kein Glas verwendet wird, genügt auch eine Espressotasse oder eine kleine Keramiktasse, doch das transparente Glas betont die ansprechende Schichtung von Kaffee und Milch.

Anders als größere Kaffeegetränke wird ein Cortado typischerweise nicht in einem großen Pappbecher zum Mitnehmen serviert. Er soll relativ bald nach der Zubereitung getrunken werden, um sein volles Aroma optimal zu genießen. Wenn Sie in einem spanischen Café einen Cortado bestellen, trinken Sie ihn vielleicht ein paar Minuten später an der Theke, bevor Sie wieder an die Arbeit gehen – er gibt Ihnen einen schnellen Energieschub, ohne dass Sie lange an einem großen Becher knabbern müssen.

Die Rolle des Cortado im spanischen und lateinamerikanischen Kaffeeleben

Der Cortado ist tief in der spanischen und lateinamerikanischen Kaffeekultur verwurzelt und gilt als alltäglicher Genuss. Wenn man in Spanien morgens ein Café oder eine Bar betritt, hört man die Gäste wahrscheinlich ganz selbstverständlich einen Cortado bestellen. „Einen kühlen, bitte.“ Zusammen mit ihrem Frühstücksgebäck oder dem Mittagssandwich. Er gilt als unkomplizierter, einfacher Kaffee – nicht so kräftig wie ein Espresso, nicht so sättigend wie ein Café con leche (die spanische Variante eines Latte Macchiato). Er passt perfekt zum spanischen Lebensstil, kurze Kaffeepausen einzulegen. Viele Spanier trinken nach dem Mittagessen einen Cortado, um dem Nachmittagstief entgegenzuwirken.

In Ländern wie Argentinien oder Kolumbien findet man ähnliche Praktiken unter Bezeichnungen wie Cortado oder Perico (In einigen Teilen Lateinamerikas bezeichnet „Perico“ Kaffee mit etwas Milch.) Die Idee, Kaffee mit einem Schuss Milch zu verfeinern, ist weit verbreitet. Jede Region hat ihre eigene kleine Variante – zum Beispiel bestellt man in Buenos Aires … Cortado Sie erhalten einen kleinen Kaffee mit einem Schuss Milch, der oft in einem kleinen Glas auf einer Untertasse serviert wird, manchmal begleitet von einem kleinen Keks oder einem Glas Wasser.

Kulturell entspricht der Cortado der Vorliebe für Kaffeepausen als geselliges oder erholsames Ritual. Es ist die Art von Kaffee, die man im Stehen an der Bar eines Cafés trinkt und sich dabei mit dem Barista oder seinem Begleiter unterhält, nicht etwa ein riesiges, aromatisiertes Getränk, das man mit sich herumträgt. Die Schlichtheit eines Cortado macht einen Teil seines Charmes aus – er gilt als authentisch und unprätentiös.

Der Aufstieg des Cortado in der internationalen Kaffeeszene spiegelt auch einen kulturellen Austausch wider. Als die Third-Wave-Cafés ihre Kunden über verschiedene Kaffeestile aufklärten, wurde der Cortado zum Botschafter der spanischen Kaffeekultur im Ausland. Kaffeeliebhaber schätzten, dass er nicht einfach nur ein anderer Name für das altbekannte Getränk war; er bot eine andere Balance als der italienische Macchiato oder der australische/neuseeländische Flat White. In vielen trendigen Cafés von London bis Los Angeles findet man den “Cortado” mittlerweile auf der Karte – ein Genuss für alle, die einen kräftigen, aber nicht in Milch ertränkten Kaffee bevorzugen.

Eine Kreidetafel-Speisekarte mit Kaffeeoptionen, darunter ein Cortado zum Preis von $4.

Obwohl der Cortado an sich ein einfaches Getränk ist, ist seine wachsende Beliebtheit bemerkenswert. In den USA und anderen nicht-spanischsprachigen Ländern spiegelt der Cortado-Trend eine Verlagerung hin zu kleineren, kaffeebetonteren Getränken wider – vermutlich eine Reaktion auf jahrelang sehr große, mitunter übermäßig süße Kaffeespezialitäten. Konsumenten interessieren sich zunehmend für die Herkunft der Bohnen, das Röstprofil und die Kunst der Kaffeezubereitung – und ein Cortado ist die ideale Form, um den Charakter eines Espressos mit genau der richtigen Menge Milch für einen milden Geschmack zu genießen.

Unabhängige Cafés Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, den Cortado salonfähig zu machen. Oft findet man ihn mit einigem Stolz auf der Speisekarte beschrieben (“60 ml Espresso + 60 ml aufgeschäumte Milch”) – er gilt als Kennzeichen eines seriösen Cafés. Auch die sozialen Medien haben ihren Teil dazu beigetragen: Ein hübsch angerichteter Cortado im Glas, manchmal sogar mit Latte Art verziert, ist ein perfekter Instagram-Moment.

Der Einfluss des Cortado hat selbst große Ketten subtil beeinflusst. Obwohl Starbucks und ähnliche Ketten einen “Cortado” üblicherweise nicht explizit als solchen bezeichnen, haben sie kleinere Latte-Varianten und Flat Whites eingeführt, die dem Wunsch nach weniger Milch entgegenkommen. In einigen Märkten hat Starbucks still und leise einen Cortado oder ein ähnliches Getränk unter dem Namen “Cortado Blanco” getestet und sich so an lokale Trends angepasst.

Über das Getränk hinaus symbolisiert die Cortado-Kultur die Wertschätzung für globale Kaffeetraditionen. So wie die italienische Espressokultur oder die türkische Kaffeekultur ihre ikonischen Aushängeschilder haben, repräsentiert der Cortado die spanische Café-Kultur. Es ist mittlerweile keine Seltenheit mehr, Kaffeeveranstaltungen oder -festivals zu sehen, bei denen Cortados verkostet werden, oder Barista-Wettbewerbe, bei denen die Zubereitung eines perfekten Cortados eine echte Herausforderung darstellt (denn die richtige Balance in einem kleinen Getränk zu finden, kann kniffliger sein als in einem großen Latte).

Im Grunde genommen ist der moderne “Trend” des Cortado in manchen Städten einfach nur ein Zeichen dafür, dass der Rest der Welt endlich das entdeckt, was Spanien und Lateinamerika schon seit Generationen genießen: eine unkomplizierte, köstliche Kaffeepause, die genau das Richtige ist. Je mehr Menschen ihn kennenlernen, desto weniger exotisch und desto vertrauter wirkt der Cortado – eine willkommene Bereicherung des globalen Kaffee-Repertoires.